Vera Reinicke im Rahmen des PPP in den USA

Erlebnisbericht über mein Jahr in Ohio – von Vera Reinicke

Die zehn Monate, die ich in Kings Mills, Ohio verbracht habe, waren wahrscheinlich ein paar der schönsten in meinem ganzen Leben. Ich erinnere mich noch daran, wie aufgeregt ich war, als ich das PPP-Stipendium bekommen habe und auch in den folgenden Monaten, während denen ich auf mein neues Leben auf der anderen Seite der Welt vorbereitet wurde. Der wohl aufregendste Moment jedoch war der, an dem ich die E-Mail von meiner Austauschorganisation bekam, die mir alle Informationen über meine Gastfamilie und meinem neuen Zuhause gab. Ich habe mich so darüber gefreut und natürlich gleich Kontakt mit meiner Familie in Ohio aufgenommen. Die Aufregung stieg und ich freute mich immer mehr und mehr, endlich auf mein Abenteuer zu gehen.

Als es dann losging, und ich in den Flieger nach Amerika stieg, konnte ich es kaum erwarten endlich anzukommen und viele neue Sachen zu entdecken.

Der Moment, in dem ich meine Gastfamilie kennenlernte, war einer der schönsten, die ich je erlebt habe. Sie haben mich mit offenen Armen empfangen und haben mich zu einem Teil ihrer Familie gemacht. In den zehn Monaten hatten wir nie einen größeren Konflikt, sondern immer sehr viel Spaß zusammen, ob im Auto, im Urlaub oder abends auf dem Sofa. Wir fanden immer eine Sache über die wir lachen konnten.

Insgesamt hatte ich sehr viel Glück, denn meine Gastfamilie hat mich in allem unterstützt, was ich machen wollte.

Schule in Amerika gehört natürlich auch dazu. Die Kings High School war der Ort, an dem ich neben dem Haus meiner Gastfamilie die meiste Zeit verbracht habe.

Schon am ersten Tag fand ich meine ersten Freunde, habe auch schon in den ersten Tagen für das Tanz Team vorgetanzt und wurde dann auch aufgenommen.

Vera_Reinicke_2Dieses Team war wie eine dritte Familie für mich. Ich habe jede einzelne Trainingsstunde und jeden Auftritt in vollen Zügen genossen. Fast jeden Tag nach der Schule von 14:30 – 17:00 Uhr war ich dann mit meinen Freundinnen zusammen. Wir haben zusammen für unsere Auftritte bei Basketballspielen und anderen schulischen Veranstaltungen geübt. Dies gab mir einen ganz neuen Blickpunkt auf die amerikanische Schule. Dadurch, dass ich am Tanzen teilgenommen habe, habe ich so viele andere Leute kennengelernt, tolle Freundschaften geschlossen und konnte mich so wirklich wie ein Teil von Etwas fühlen. Zum Beispiel mussten wir an manchen Tagen einheitliche Kleidung tragen und Zusammenhalt zeigen. Zukünftigen Austauschschülern kann ich dringend empfehlen, einem Team oder einem Klub beizutreten.

 

Zu den außerschulischen Aktivitäten gehörte es natürlich auch, im Herbst an Freitagabenden zum Stadion der Schule zu gehen, um das Footballteam ordentlich anzufeuern. Das Gleiche dann im Winter beim Basketball in der Sporthalle und im Frühling bei Lacrosse-Spielen meiner Gastschwester Lauren.

Zurück zur Schule ist diese auch komplett anders als hier in Deutschland. Jeden Tag die gleichen Kurse zu haben war am Anfang komisch, wurde aber schnell zu einer Routine. Auch, dass wir am Montagmorgen immer den “Pledge of Allegiance” aufsagten, fühlte sich anfangs ungewohnt an, wurde aber zur Selbstverständlichkeit.

In den sieben Kursen, die ich gewählt habe, habe ich viel Neues lernen können, vor allem über die englische Sprache. Im Theaterkurs zum Beispiel habe ich gelernt, mich besser zu artikulieren und in Englisch habe ich viel über amerikanische Literatur gelernt.

Im Winter habe ich dann das Glück gehabt, dass viel Schnee fiel und wir deswegen an ungefähr zwölf Schultagen freigestellt wurden. Dann kam auch Weihnachten und damit die traditionell amerikanische Adventszeit mit großem Weihnachtsshopping, dem geschmückten Haus (innen und außen) und der weihnachtlichen Stimmung überall.

Insgesamt muss ich sagen, dass es Spaß gemacht, hat die ganzen amerikanischen Traditionen wie den Truthahn an Thanksgiving kennen- und liebenzulernen.

Im Frühling war die Tanzsaison leider nach zahlreichen Wettkämpfen und Auftritten sowie einem tränenreichen Abschluss vorbei. Ich war sehr glücklich, als ich von meiner Trainerin mit einem Preis, dem “Red-White and Blue Award” ausgezeichnet.

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In dieser Zeit sprach ich dann für das Frühlingsmusical “Die Schöne und das Biest” vor, wurde in den Cast genommen und habe wieder viele neue und tolle Menschen kennengelernt, die heute ein paar meiner besten amerikanischen Freunde sind. Zahlreiche Proben und um die acht Wochenenden zusätzlich sind auf das Set draufgegangen, aber am Ende hat sich alles gelohnt, was viele andere und ich an Arbeit in diese wundervolle Produktion reingesteckt haben. Es war eines meiner Lieblingserlebnisse des ganzen Jahres.

Nach dem Abschluss der Shows Ende April neigte sich das Schuljahr dem Ende zu und wir Oberstufenschüler feierten den Abschlussball: ein rauschendes Tanzfest mit viel Spaß, an dem sich alle wunderschön angezogen hatten und hunderte von Fotos geschossen wurden.

Als das Schuljahr zu Ende war, lief ich traurig ein letztes Mal durch die Flure und Räume, an die ich mich in den letzten Monaten so gewöhnt hatte. Ich konnte es nicht fassen, wie schnell die Zeit vergangen war. Ich hatte so viele Erfahrungen gesammelt, Neues gelernt und Freunde kennengelernt.

Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ein Abschied so schwer sein kann und es war sehr schmerzhaft, von meinem neuen zu Hause weggehen zu müssen. Es war der wohl bis jetzt tränenreichste Abschied meines Lebens.

Insgesamt ist dieses Jahr das wohl beste gewesen. Ich habe so viel über mich selbst und über die Kultur der USA gelernt. Ich möchte mich bei meiner Gast- und meiner richtigen Familie bedanken, dafür, dass sie mich auf dem Weg stets begleitet haben und auch an Frau Dr. Flachsbarth, die für mich dieses Jahr erst möglich gemacht hat. An meine Freunde in Ohio möchte ich ebenfalls ein großes Danke sagen, Ihr seid die besten und ohne Euch wäre dieses Jahr nicht so super geworden wie es war.

So das war es auch schon, danke fürs Lesen!

Eure Vera Reinicke