Maria Flachsbarth: „Religion in der Schule ist ein Zuhause“

2012-02-01

Zum Kaffee mit… Maria Flachsbarth von der CDU/CSU

Kirchenbeauftragte – Maria Flachsbarth ist nach Hermann Kues und Ingrid Fischbach die dritte Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften. Zum Gespräch mit evangelisch.de war sie gern bereit, denn Kirchenfragen liegen ihr sehr am Herzen, wie sie versichert. Mit Maria Flachsbarth beenden wir die Gesprächsreihe mit den fünf kirchenpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen.

Sie ist in ihrer ? der römisch-katholischen ? Kirche „zu Hause“: Maria Flachsbarth (48), promovierte Tierärztin, gehört dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an und ist neuerdings auch Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB). Obwohl sie eigentlich die Umwelt zu ihrem politischen Schwerpunktthema gemacht hat, ist sie mit Leib und Seele auch Beauftragte ihrer CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften. Ihre Fraktion war die erste im Bundestag, die eine solche Funktion einrichtete.

Das Thema ist freilich nicht nur ernst: Bei heißer Schokolade und Apfelstrudel mit Vanillesoße schüttelt sie sich im Berliner Café „Einstein“ Unter den Linden vor Lachen auf die Frage, ob das C in ihrem Parteinamen neuerdings für konservativ oder weiterhin für christlich steht. „Wenn Sie darauf anspielen, dass ich noch immer mit meinem ersten Mann verheiratet bin und die Kinder christlich erziehe, dann bin ich konservativ.“ Das „Christlich“ der Christlich-Demokratischen Union will sie nicht abgrenzend zu Christen in anderen Parteien verstanden wissen, sondern als Selbstverpflichtung.

Die Ökumene im Privaten

Ist die CDU/CSU in erster Linie nach wie vor eine katholische Partei? Wieder antwortet sie mit einem persönlichen Beispiel: „Das ist wie bei uns zu Hause. Ich bin katholisch, mein Mann ist evangelisch.“ Das klappe hervorragend. Auch wenn sie sich wünschen würde, dass ihre Kirche bald den konfessionsverbindenden Ehen und Familien die Teilnahme an der Eucharistie erlauben würde. „Wie konservativ ich bin“, fügt sie weiter lachend hinzu, „können Sie auch daran erkennen, dass ich für das Diakonat der Frau bin.“
„Das christliche Menschenbild ist für uns entscheidend“, sagt die Kirchenpolitikerin. Und das müsse in der politischen Alltagsarbeit immer wieder neu buchstabiert werden. Selbstverständlich kennt sie die Stimmen aus ihrer eigenen Partei, die der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel vorwerfen, zu pragmatisch zu handeln. Maria Flachsbarth hat für diesen Vorwurf kein Verständnis: „Seit wann ist es schlecht, pragmatische Politik zu betreiben?“

Für ein vollständiges PID-Verbot

Die Bundeskanzlerin stehe wie kaum jemand sonst für das christliche Menschenbild ? von der Bewahrung der Schöpfung angefangen bis zum Eintreten für die Glaubens- und Gewissensfreiheit auf der ganzen Welt. Letzteres habe Merkel erst wieder auf ihrer jüngsten Chinareise unter Beweis gestellt.

Die Zusammenarbeit mit den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Erzbischof Robert Zollitsch und Präses Nikolaus Schneider, bezeichnet Maria Flachsbarth als ausgesprochen gut und vertrauensvoll. Wirkliche inhaltliche Probleme gebe es mit ihnen nicht. Gleiches gelte für die Beauftragten der beiden Kirchen bei Parlament und Regierung, den Prälaten Karl Jüsten und Bernhard Felmberg.
Und was war mit PID? Maria Flachsbarth legt großen Wert darauf, dass sie für ein Verbot war. Allerdings konnte sie sich gegen das Gesetz, das die Präimplantationsdiagnostik unter Auflagen zulässt, nicht durchsetzen: „Das hat mich traurig gemacht.“ Insgesamt nimmt sie ihre Bundestagsfraktion in Schutz: „Niemand hat es sich bei dieser Frage leicht gemacht.“

„Lebensschutz, Behindertenrechte, Religionsfreiheit“

Für nicht wenige Abgeordnete ihrer Fraktion ist auch der geltende Abtreibungsparagraf 218 ein Ärgernis. „Aber für ein strenges Abtreibungsverbot gibt es im Deutschen Bundestag keine Mehrheit“, bedauert die Politikerin. Deshalb setzt sie sich für die Unterstützung werdender Mütter in Konfliktsituationen ein, insbesondere junge und alleinstehende Frauen.
Was sind ihre wichtigsten Themen? Maria Flachsbarth nennt die Bewahrung der Schöpfung, den Lebensschutz, gleiche Rechte für Behinderte, Religionsfreiheit. Und hat sie für all diese Themen genug Mitstreiter? Viele dieser Themen beschäftigten sie auch im Miteinander mit den kirchenpolitischen Sprechern der anderen Bundestagsfraktionen.
In CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe finde sie auf evangelischer Seite in der Fraktion viel Unterstützung. Daneben sucht Maria Flachsbarth engen Kontakt zu den Evangelikalen innerhalb der evangelischen Kirche, den Freikirchen und den anderen Religionsgemeinschaften. Und was ist mit dem Kardinal-Höffner-Kreis ihrer eigenen Fraktion? Die kirchenpolitische Sprecherin schmunzelt: „Da bin ich im Vorstand.“
Die Islamkonferenz, die der frühere Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ins Leben gerufen hat, wird von ihr tatkräftig unterstützt und als „großes Verdienst Schäubles“ gewürdigt ? auch er so ein „Ökumeniker“ in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: er ist evangelisch, seine Frau katholisch.

Religionsunterricht als ein Zuhause

Der islamische Religionsunterricht in den niedersächsischen Grundschulen ist aus Flachsbarths Sicht eine gute Sache. Man müsse weiter daran arbeiten, die unterschiedlichen islamischen Gruppen zu einer einheitlichen Linie im Blick auf einen islamischen Religionsunterricht in deutschen Schulen zu bringen, findet sie. Dass dieser Unterricht in deutscher Sprache erfolgen und auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen habe, werde zum Glück heute von keiner Partei mehr bestritten.
Religionsunterricht ist für Maria Flachsbarth generell wichtig und darf in ihren Augen nicht zur Diskussion gestellt werden. Warum aber hat sich dann ihre Partei bei den Koalitionsverhandlungen mit Klaus Wowereits SPD in Berlin mit der umstrittenen Regelung abgefunden, die freiwilligen Zusatzunterricht zum ethischen Pflichtunterricht vorsieht? Maria Flachsbarth verweist auf die besondere Berliner Situation und auf die Zuständigkeit des Berliner CDU-Landesverbands. Dass ihr diese Haltung nicht gefällt, sagt sie nicht. Aber man spürt es. Denn Religionsunterricht ist für sie auch ein Stück „zu Hause sein“.

Hat Maria Flachsbarth einen Rat an die Kirchen? Sie hat: „Politische Initiativen der Kirchen haben nur dann noch einen Erfolg, wenn sie gemeinsam von allen getragen und vorgetragen werden.“ Unabhängig von der Politik wünscht sie sich, „dass die Kirchen noch stärker als bislang aufeinander zugehen“.
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K. Rüdiger Durth, Journalist und Theologe in Bonn und Berlin, schreibt regelmäßig für evangelisch.de.