Yannick Welzel im Rahmen des PPP in den USA

Erlebnisbericht für Frau Dr. Flachsbarth über mein Jahr in Chicago – von Yannick Welzel

Mein Name ist Yannick Welzel und ich habe bereits 10 Monate dank des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms in Chicago, der drittgrößten Stadt der USA, verbracht.

Das Parlamentarische Patenschaftsprogramm für junge Berufstätige (kurz PPP) ist ein vom Bundestag und amerikanischen Kongress unterstütztes Austauschprogramm, das 1983 ins Leben gerufen wurde und dieses Jahr dementsprechend schon in der 32. Auflage ist. Im Falle von uns, den jungen Berufstätigen, gibt das Programm jedes Jahr 75 Leuten mit abgeschlossener Berufsausbildung die Möglichkeit ein Jahr in den USA bei einer Gastfamilie oder in einigen wenigen Fällen auch im College Dorm zu verbringen. Beim PPP für Schülerinnen und Schüler werden jedes Jahr sogar über 200 Leute berücksichtigt. Mein Jahr war im Prinzip in 2 Abschnitte aufgeteilt: zuerst ging es ein halbes Jahr ans College und im zweiten halben Jahr absolvierten wir ein Praktikum. Aber erst nochmal einen Schritt zurück zur Bewerbungsphase. Die erste Bewerbungsphase wird von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt, bei der viele Dokumente ausgefüllt und eingereicht werden müssen. Im besten Fall wird man dann zu einem Auswahltag in Bonn oder Berlin eingeladen, an dem dann verschiedene Gruppen- und Einzelaufgaben anstehen. Etwa 2 Monate später nach meinem Tag in Bonn hatte ich dann das finale Gespräch mit Frau Dr. Flachsbarth und als sie mir eine Woche später mitgeteilt hat, dass ich das Stipendium bekommen werde, war ich natürlich überglücklich! Bevor es aber endlich losgehen konnte, hatten wir noch ein Vorbereitungsseminar in Bad Bevensen, bei dem ich schon 25 von den 75 Teilnehmern kennengelernt habe. Das Seminar ist aus meiner Sicht ein wichtiger Bestandteil des Programms, da es uns zum einen thematisch sehr gut aufs Jahr vorbereitet hat und zum anderen tolle Freundschaften entstanden sind, die sich während des Jahres noch verstärkt haben, da wir miteinander verreist und uns gegenseitig besucht haben.

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Perspektivenwechsel -> von Sehnde nach Chicago

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Am 4. August war es dann aber endlich soweit: Abflug von Frankfurt nach New York, 75 aufgeregte Teilnehmer machen sich auf den Weg ins ferne und weite Amerika. Dort angekommen wurden wir vom Team von Cultural Vistas, welches uns während unseres Jahres betreut, empfangen und mit Bussen zu unserem Hostel in Manhattan gebracht. Trotz 3-tägigem Seminar blieb noch genug Zeit für Sightseeing, um Times Square, Rockefeller Center und Central Park zu erkunden. Danach stand für mich die Weiterreise nach Chicago, meinem Platzierungsort an. An dieser Stelle ein Dankeschön an Cultural Vistas, die Platzierung hätte nicht besser sein können. Mit dem Amtrak ging es 22 Stunden von New York nach Chicago, wo Victor und Bill mich sehr herzlich empfangen haben.

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Es gab keine Zeit zur langsamen Eingewöhnung, Sachen kurz ins Zimmer geschmissen, und dann ging es auch schon direkt los zu Market Days, einem riesigen Straßenfest mit Livemusik etc. Einer der vielen Gründe warum die beiden einfach die besten Hosts sind die man sich vorstellen kann ist, weil sie mich als Teil ihrer Familie sehen und mich zu allen möglichen Anlässen mitgenommen haben, wie zu etlichen Geburtstagsfeiern von Freunden, Christmas Partys, Dinnereinladungen, Pferderennen… Ich war auch dabei, als wir von Chicago nach Tampa, Florida gefahren sind, um Victors Eltern eine Woche über Weihnachten zu besuchen. Weihnachten bei 30 Grad und schwimmen gehen am 1. Weihnachtstag hatte ich vorher auch noch nicht! Oder ein anderes Beispiel: Zu meiner Geburtstagsfeier durften 10 Freunde vom PPP zu uns zu Besuch kommen, auch alle bei uns im Apartment übernachten und wir haben dann zusammen mit Freunden von Victor und Bill gefeiert. Dieses Wochenende war sicherlich einer der Highlights.

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Gestartet hat mein Jahr mit einem Semester am Truman College, wo ich Englisch- und Mathe-Kurse belegt habe. Besonders der Englisch Kurs hat am Anfang geholfen um meinem Englisch schnell auf die Sprünge zu helfen, kann ich jedem also nur empfehlen. Bei meinem College hat es sich um ein sogenanntes Community College gehandelt, sprich es leben keine Studenten auf dem Campus, sondern kommen nur zu ihren jeweiligen Kursen. Grundsätzlich kann man sagen, dass meine Kurse eher verschult waren, da Hausaufgaben aufgegeben wurden und mündliche Mitarbeit erwartet und zum Teil auch bewertet wurde. Gut gefallen hat mir unser Online Portal, wo alle unsere Dokumente hochgeladen wurden und man jederzeit seinen Notenstand einsehen konnte. Während des Semesters haben wir 2 lange Wochenenden dazu genutzt zu verreisen. Der eine Trip ging nach Vancouver und der andere nach Toronto und zu den Niagara Fällen. Zusätzlich zum College habe ich noch Volunteer Arbeit bei einem lokalen Soccer Club geleistet. Bei Chicago Magic war ich zusammen mit 2 Mexikanern und einem fußballverrückten Amerikaner in meinem Alter für das Training der Kinder von 8-14 Jahren zuständig. Da ich in Deutschland auch schon seit 5 Jahren beim TVE Sehnde Mannschaften trainiert habe, wenn auch im Handball, war das eine sehr interessante Sache, bei der ich mir auch einige Dinge abschauen konnte. Handball ist so eine Sache in den USA. Fast keiner hat jemals davon gehört und die, die davon gehört haben, denken es ist eine Form von Squash und das macht das Erklären der Sportart nicht unbedingt einfacher. Umso überraschter war ich dann, dass ich einen „richtigen“ Handball Verein, Chicago Inter Handball, gefunden habe. Wir haben zweimal die Woche trainiert und haben mit über 20 verschiedenen Nationalitäten ein sehr internationales Team, was es sehr interessant macht. Aber für eine eigene Liga gibt es natürlich zu wenige Mannschaften, dafür werden alle paar Monate Turniere veranstaltet. An zweien habe ich teilgenommen, in Milwaukee und bei dem von uns selbst ausgerichteten in Chicago.

Im Januar hat dann mein Praktikum bei HDI Versicherungen angefangen, auf das ich mich Ende September beworben und im November dann glücklicherweise die Zusage bekommen hatte. HDI ist eine deutsche Versicherungsfirma, die ihr American Headquarter in Chicago Downtown hat. Wir sind im 48. Stock mit einem super Blick. Ich arbeite dort am Front Desk und erledige zusätzlich noch Aufgaben für das Accounting Department. Dank meiner netten Kollegen wurde mir der Start dort sehr leicht gemacht und ich fühlte mich dort sehr wohl. Auch nach Feierabend wurden mir von meinen Kollegen interessante Plätze in der City gezeigt oder sie haben mich auf Konzerte mitgenommen.

Die Zeit verging einfach wie im Flug, denn das Jahr neigt sich sehr stark dem Ende zu, denn ich verlasse Chicago und damit auch meine Hostfamilie Ende Juni, weil wir im Juli noch 3 Wochen haben um herumzureisen und auf diesen Trip freuen wir uns schon seit Anfang des Jahres! Danach haben wir dann noch ein Abschlussseminar in Washington D.C. bevor wir dann alle gemeinsam am 26. Juli wieder in Frankfurt landen. Ich kann dieses Programm uneingeschränkt weiterempfehlen, da es einfach so viele Möglichkeiten bietet. Informationen unter folgendem Link: http://usappp.de/

An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal bedanken. Zuallererst bei Frau Dr. Maria Flachsbarth, die mir dieses unvergessliche Jahr erst ermöglicht hat, dann bei unseren Organisationen GIZ und CV, meiner Host Family und all deren Freunden, die mich so herzlich aufgenommen haben und natürlich meiner Familie und Freunden zuhause, die immer in Kontakt geblieben sind und mich mit News aus der Heimat versorgt haben.

Yannick Welzel